Heute hat meine Jüngste Geburtstag, schon 6 Jahre ist der Tag ihrer aufregenden Geburt her. Ich hatte das Glück, begleitet durch eine erfahrende und kompetente Hebamme, die Geburt zuhause erleben zu dürfen. Ich kann nicht sagen, dass die Geburten der großen Kinder im Krankenhaus unschön oder arg traumatisierend waren. Da habe ich (leider) schon von ganz anderen Erlebnissen gehört. Dennoch führten der Ablauf und die Atmosphäre in einem Krankenhaus dazu, dass ich, als klar war das Würmchen bleibt (also die kritischen Wochen sind vorbei) beschloss, ich WILL eine Hausgeburt. Ich erinnere mich noch, wie mein Mann mich völlig entgeistert anblickte und „NICHT MIT MIR“ sagte.

 

 

Der Gedanke blieb aber fest in meinem Kopf, ich recherchierte und siehe da, es gab tatsächlich 2 Hebammen, die Hausgeburten in Halle begleiteten. Ich sprach mit beiden, hatte auch jeweils ein gutes Gefühl und großes Glück, dass dann tatsächlich eine für den fraglichen Zeitraum verfügbar war. Das Hebammenproblem war auch vor 6-7 Jahren schon präsent. Zusammen mit der Hebamme wurde dann mein Mann „bearbeitet“, hihi.. naja, nicht wirklich, sondern es wurde auf alle Fragen, Bedenken und Ängste eingegangen. Der Wunsch wurde immer fester in meinem Kopf und je mehr ich mich belas, nachforschte und fragte, wuchs auch eine unglaubliche Sicherheit in mir, dass ich das kann, dass ich gut begleitet werde und dieser Weg der für uns Richtige ist.

 

Ist eine Hausgeburt wirklich sicher?

 

Hierzu möchte ich sagen, dass diese Entscheidung jede Frau für sich treffen muss! Ich möchte hier keine Empfehlung geben oder sagen, so MUSS es sein. Ich will lediglich von meiner Erfahrung berichten und diese Möglichkeit der Geburt wieder verstärkt in das Bewusstsein bringen. Es ist nämlich tatsächlich (durch Studien belegt) NICHT so, dass eine Geburt zuhause für Mutter und Kind gefährlicher ist, als eine Geburt im Krankenhaus! Hier wird viel Unwissenheit und Unwahrheit verbreitet und mitunter eine Angst geschürt, die nicht notwendig oder gerechtfertigt ist. Ich habe mich sehr gut auf diese Geburt vorbereitet, viel gelesen, auf meinen Körper vertraut und mich überhaupt erst einmal intensiv mit dem Thema Geburt auseinandergesetzt. Trotzdem ich schon 2 Kinder geboren hatte, war da noch sehr viel, was ich nicht wusste.

Gepanter Termin war eigentlich der 13.3.13, wäre doch ein sehr schönes Datum gewesen. Tatsächlich zeigten sich schon kleinere Übungswehen, die ich für schnickschnack hielt, den Mann allerdings in Panik versetzten :-D. Der Besuch der Hebamme am Nachmittag brachte Klarheit, alles nur harmlos, aber lange sollte es wohl nicht mehr dauern. Am Abend trank ich ein kleines Glas Rotwein und badete heiß, in der Hoffnung, dass es was „bringt“.  Nach einem halben Glas Wein und gefühlt ewiger Abstinenz, hatte dieses Glas schon erstaunliche Wirkungen auf meinen Gemütszustand :-). Immerhin!

 

4.50 Uhr machte es Plopp

 

Gegen 4.50 Uhr macht es Plopp. Ich wache auf und wusste sofort, dass die Blase geplatzt ist  Auf der Toilette stelle ich fest: es ist arschkalt, alle Heizungen sind kalt und funktionieren offenbar nicht. Dies hatte ich nachts in der Pullerpause (wer kennt´s) schon kurz wahrgenommen, meine Sorgen aber wieder verworfen, jede Minute Schlaf war so heilig. Ich weckte den Mann, sagte die Blase ist gesprungen und die Heizungen gehen nicht. Es war wieder sehr kalt geworden, Außentemperaturen von -10 Grad.  Da wir im Haus mit den Schwiegereltern leben, stiefelt der Mann mitten in der Nacht zu ihnen und will herausfinden, was mit den Heizungen nicht stimmt. Die Wehen sind bereits ordentlich und nicht vergleichbar mit der Übungsrunde von gestern.

Der Gatte kommt mit der Info, das Öl ist alle. Ich fahre ihn an: er soll was machen, die Kleine kommt! Mir flattern die Nerven, zum Einen wegen der Wehen und natürlich auch wegen der Kälte und daraus folgender Konsequenzen. Hebamme anrufen! Sie fragt, ob es denn noch Wasser gibt, dies bejahend schlägt sie vor, einfach Wasser auf dem Herd zu erwärmen. Ich hatte mir eh eine Geburt in der Badewanne gewünscht. Prima, wie im Mittelalter: `wir brauchen heißes Wasser und Handtücher`…. :-). Weiterhin fragt sie, ob wir noch einen Radiator haben. Häh, was war das nochmal? Der Mann wieder zu den Schwiegereltern, NEIN sowas haben wir nicht mehr im Haus. Ich sitze auf dem Bett und heule. Schwiegermutter (Kinderärztin) lässt fragen, ob ich denn nicht wenigstens JETZT  vernünftig werde und ins Krankenhaus gehe??? Das mit der Hausgeburt bekommt sie nicht in ihren Kopf. Ich gucke den Mann entgeistert an, NEIN..  das passt alles so überhaupt nicht in meinen Plan, ich schwöre ihm, falls ich wegen des nicht vorhandenen Öls ins Krankenhaus muss, werde ich das den Schwiegereltern NIE verzeihen. Als könnte der Mann was dafür!
Nächster Gedanke, Freunde anrufen, inzwischen war es 3/4 6, kann man so früh schon bei Leuten anrufen? Sie haben selbst 3 Kinder, der Erfahrung nach zu urteilen könnte schon jemand wach sein. Wach waren sie, aber auch kein Radiator vorhanden. Wieder Rücksprache mit der Hebamme, sie wird welche holen, muss dafür allerdings nach Neustadt fahren, ob es ich es denn noch schaffe, fragt sie. Öhmm… hmmm, ich denke ja?! Inzwischen will ich doch in die Wanne, der Mann stellt zig Teelichter im Bad auf, das bissl heiße Wasser aus der Leitung plus das gekochte füllen die Wanne gut und ich mache es mir gemütlich. Es tut soooo gut, einmal durchatmen, nicht verrückt machen lassen. Wenn Plan A nicht funktioniert, dann eben Plan B (den ich ja nicht hatte! ). Aber hier so mit den Teelichtern ist schon ganz kuschelig und irgendwie romantisch.

Der Bub verkündet: „das Baby kommt!“

Kurz nach 6 Uhr, die Hebamme steht vor der Tür, wir hören ihr klingeln nicht. Wegen des Wetters sind die Straßen dicht, Neuschnee.. GROSSARTIG, wenn es kommt, dann ganz dicke… sie wollte erstmal kurz nach mir gucken, der Muttermund ist bei 6-7 cm, sagt sie zu mir und 5-6 zum Gatten :-). Hihi, nachdem der Ehemann beruhigt ist, macht sie sich doch noch auf den Weg, um die Heizlüfter zu holen. Zwischenzeitlich ist das große Kind auf dem Klo, sie traut sich nichts zu sagen, der Mann schickt die Kinder mit Klamotten zu Oma und Opa, ist nun deren Job. Der Bub verkündet lautstark: „das Baby kommt!!“  Kurze Zeit später kommt die Hebamme wieder. Ich bin erleichtert, jetzt ist alles in Ordnung. Alles wird gut. Ich versuche während der Wehen den Mund geöffnet zu halten, nur nicht zupressen, hatte ich gelesen, könnte unter Umständen den Muttermund wieder schließen. Schon interessant die Natur, warum heißt der Muttermund wohl Muttermund?
Manchmal bekomme ich schon etwas Angst, die Wehen veratme ich größtenteils im Sitzen, ich fühle mich aber rundherum wohl. Die Hebamme macht ab und an einen Vorschlag, z.B. mich mal zu drehen, aber alles ohne aufkommenden Druck. Ich kann den Gedanken in meinem Kopf reifen lassen und wenn es sich gut anfühlt, setze ich es auch um. Wenn nicht dann nicht. Es ist mein Körper, meine Geburt, ich habe tatsächlich das Gefühl, ich bestimme hier. Manchmal fällt das Atmen schwer, dann atmet einer laut, und ich kann wieder einsetzen. Meine Augen sind geschlossen, ich bin ganz bei mir. Dann ein kurzer Schreckmoment, wie bei der Geburt des Bubs, hat sich eine Lippe am Muttermund gebildet. Wenn die da nicht weg kommt, kommt das Kind nicht vorbei. Bei mir kommen Erinnerungen an unfassbare Schmerzen hoch, an Presswehen ohne Ende, da es nicht vorwärts ging. Ich will das nicht nochmal, aber auch nicht diese Schmerzen. Wie ein bockiges Kind presse ich die Beine zusammen. Ich muss das erstmal sacken lassen, Mut holen, mich gedanklich darauf einstellen, Vertrauen schenken. Nach 2 oder 3 Wehen macht die Hebamme es einfach. Ich hatte zwar noch nichts gesagt, aber war innerlich bereit, sie hat das gemerkt. Es war schon arg unangenehm, aber bei weitem nicht vergleichbar mit den Schmerzen beim Bub.

Ich hab´s geschafft! Zuhause!!

Prompt werden die Wehen heftiger und irgendwann spüre ich auch den Druck nach unten. Nach der ersten Presswehe lässt der Gatte verlauten, dass der Kopf gleich durch ist, mit der 2. ist er da. Ich spüre ihn zwischen meinen Beinen. Und dann ist da plötzlich dieser magische Moment. Ich tue mich äußerst schwer mit solchen Aussagen, aber in dem MOMENT fühlte es sich einfach so an. Es ist ganz still, ich atme ganz ruhig ein und aus, niemand sagt etwas, niemand gibt irgend eine Anweisung, spornt an oder fordert zum Hecheln auf. Ich spüre so eine unglaublich Kraft in mir und mit der nächsten Wehe ist sie da. Meine Hebamme holt die Kleine aus dem Wasser und gibt sie mir in den Arm. 7.41 Uhr , ich bestaune das kleine blau-rote Wunder, das keinen Mucks von sich gibt und mich mit ihren kleinen Knopfaugen anschaut. Ich murmle „ich hab´s geschafft… zuhause!!!!“ Markus strahlt und heult, sagte er zumindest, ich kann mich daran nicht erinnern ;-). Die Kleine ist immer noch ziemlich ruhig. Die Hebamme knetscht ihr ein bisschen im Gesicht herum. Ich bin ganz ruhig, ich weiß, dass das alles normal ist, die Nabelschnur pulsiert noch, ALLES ist gut. Und dann gibt sie auch ein paar Töne von sich, kein hysterisches Schreien wie in den Filmen, eher so ein kleines Piepsen. Ich bin so unendlich dankbar, wir kuscheln und genießen die Ruhe. Ich durchtrenne die Nabelschnur, der Mann wollte das auch dieses Mal nicht tun :-P. Das Blut in der Badewanne ist doch mehr, als ich erwartet hatte. Auch wenn ich da in meinem eigenen Blut liege, ist mir das alles gerade reichlich wurscht! Nachdem die Nachgeburt etwas auf sich warten lässt, schon leichte Nervosität bei der Hebamme einsetzt, kommt sie mit etwas anstupsen doch komplett nach. Der Mann begutachtet sie mit und es wird festgestellt, alles gut. Es waren schon leichte Verkalkungen ersichtlich, und obwohl die Kleine nur 2660g bei einer Länge von 48 cm wiegt, war sie reif. Jetzt ist auch für die Hebamme die Geburt abgeschlossen und sie fragt nach dem Namen 🙂

 

 

2 Minuten auf der Welt

Das kleine Würmchen ist komplett fit, der Test wird ohne Tadel bestanden. Ich wasche mir mit gänzlich kalten Wasser das Blut von meinem Körper, so gut es geht. Mit Baby und Radiator ziehen wir ins Wohnzimmer um. Kurz nach 10 Uhr verabschiedet sich die Hebamme und ich liege mit der Kleinen im Arm eingekuschelt auf der Couch. Ich lausche den fiebzigen Tönen, die sie von sich gibt, Es ist ganz ruhig, ab und an nehme ich die Radiatoren war. Markus macht Anrufe und verkündet die frohe Botschaft, alles ist soooo entspannt und friedlich. Ab und an döse ich ein wenig weg, und als mein Blick aus dem Fenster wandert, beginnt es in diesem Moment wunderschöne, riesengroße Schneeflocken zu schneien. Einfach magisch 🙂