Theoretisch könnte es jeden Moment los gehen. Nur die wenigsten Kinder kommen tatsächlich am errechneten Termin zur Welt. Meine anderen drei waren auch keine Punktlandung. Aber bin ich eigentlich auch bereit? Also gut vorbereitet und entsprechend auf Geburt und alles was da kommt, eingestellt? Ich hab einige Bücher gelesen, aber so richtig zählt das nicht.

Morgens 7.23 Uhr, nach einer durchaus erholsamen Nacht, merke ich wieder einmal, welch Glück ich hab. Der Gatte ist ein Frühaufsteher und versorgt morgens die kleine Lerche. Ich bin auch nach 3 Kindern kein Freund von frühem Aufstehen, hab es vielfach versucht. Manch einer sagt, mir fehlt die Disziplin, ich sag: Biorhythmus 😁. Dagegen anzukämpfen macht auf Dauer krank. Mich ereilt die Erinnerung an das Thema Schlaf, und das diesbezüglich nur rudimentär ausgeprägte Bedürfnis bei meiner Jüngsten (bei den Großen weiß ich das ehrlich gesagt gar nicht mehr so genau 🤔).

 

 

Knöpfchen schlief schon als Baby extreeeeeeem wenig, exakt 20 Minuten am Stück, vorwiegend an einem Erwachsenen klebend und 2 mal, mit viel Glück 3 mal am Tag… auch als sie älter wurde gab es keine ausgedehnten Mittagsschläfchen 😭. Immer was zu gucken, nur nix verpassen! Mit ein Grund, warum die Kitazeit bei uns nur wenig schöne Erinnerungen hinterlassen wird (aber das ist ein ganz anderes Thema). Wie wird wohl unser Kleiner das Thema Schlafen sehen?

Wie gut werde ich durchwachte Nächte vertragen? Kann ich all die Tipps und Unterstützung, die ich meinen Kursmamis gern mitgebe dann auch selber umsetzen? Alles eine Frage der Einstellung!? .. Und Zack spüre ich den Untermieter anklopfen, ganz automatisch wandert meine Hand an die Stelle und ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus. Guten Morgen kuscheln 😍 der besonderen Art. Ich rolle/uffze/wuchte mich aus dem Bett und bin zuversichtlich: wir kriegen das hin! Was auch immer da kommt. Ich bin BEREIT 👍🏻

 

Wickelbereich: check !

 

Mittags, 13.20 Uhr. Ich komme aus dem Nestchen, unterzuckert und hungrig. Mein Körper fühlt sich bleischwer an, die Wassereinlagerungen schmerzen. Ich hab dahingehend viel probiert, nix schlug tatsächlich an, also versuche ich, es anzunehmen und gebe mir Mühe, Bewegung und Ruhe im Gleichgewicht zu halten. Der Druck ist wirklich arg. Beim Gang ins Bad fällt mein Blick unweigerlich auf den eingerichteten Wickelbereich. Der ist fertig eingerichtet, die erste Kleidung liegt schon da, definitiv BEREIT!

Toilettengänge sind hingegen zum Ende der Schwangerschaft nicht wirklich schön und notwendige Hygienemaßnahmen anschließend einer akrobatischen Übung gleichend 😳. Ich muss alles bis ganz nach unten ziehen und selbst dann komm ich nur schwer am Bauch vorbei 😰. To much information, ich weiß, aber echt mal, DAS nervt. Ich wünsche mir wieder ein Gefühl für meinen Körper zurück, im Moment ist irgendwie alles ein schwerer, unförmiger Klumpen menschliches Gewebe! Auch wenn der Gatte mich liebevoll Hummel nennt und meine rundsein liebt! Ich mag nicht mehr, ich will nicht mehr!!! Er darf jetzt gern wieder ausziehen, ich bin bereit fürs loslassen!

Auf dem Weg zurück watschelnd (mein Gang hat jegliche Art von Grazilität verloren) sehe ich mein vorbereitetes Geburts- und Wochenbettkörbchen mit allerlei schönen und nützlichen Dingen. BEREIT 💪🏼

 

 

18.23 Uhr … das gemeinsame Abendessen will ich mittlerweile nur noch schnell hinter mich bringen. So sehr ich diese, uns sehr wichtige Familienzeit genieße, der Untermieter macht jedes mal äußerst aufdringlich auf sich aufmerksam 🙄. Zivilisiert an einem Tisch sitzen findet der kleine Mann ja mal so völlig uncool. Vermutlich schränkt ihn das platzmäßig arg ein, dass er sich bemerkbar machen muss! Ist ja auch völlig okay, aber Esszimmer Stühle sind selten fürs „bequem machen“ konzipiert 🤣. Ich erinnere mich, dass es in naher Zukunft vermutlich ungemütlich bleiben wird, da gern mal ein Kind genau immer dann möööpte, wenn das Essen auf dem Tisch stand. Naja, das Tragetuch wird helfen, aber bequem ist das dann immer noch nicht 🤣.

Diese kleinen Erinnerungen an die erste Zeit mit Baby wirken beruhigend, nach 3 Kindern haben wir so ziemlich alles durch, alles schon mal irgendwie erlebt, was soll uns da noch aus der Bahn werfen? Sowas von BEREIT 💪🏼

 

Beim 4. kennt man den Weg, richtig?

 

Kurz nach 21 Uhr, die kleine Schlafverweigerin ist im Bett, die Großen haben sich in ihre Höhlen verkrümelt und der Gatte schnarcht bereits selig vor sich hin. Ich sitze auf der Couch, meine tägliche Dosis Trash-TV konsumierend, als sich plötzliche Unruhe in mir ausbreitet. Zu der angespannten Haut kommen schmerzende Gelenke, Tränen kullern. Egal ob ich sitze, liege oder laufe, alles tut weh. Wenn ich jetzt schon so wehleidig bin, wie soll das dann erst zur Geburt werden?

Wie war das nochmal mit den Schmerzen? Die Erinnerungen sind blass, irgendwie wie bei der Regelblutung, nur stärker. Schon clever vom Körper, die Wahrnehmung diesbezüglich so stark zu verwässern. Beim 4. Kind weiß man doch aber nun wirklich, wie es geht, richtig? Auf jeden Fall fokussiert bleiben, auf die Atmung konzentrieren, positive Bilder im Kopf schaffen, Mund immer etwas offen lassen und VERTRAUEN! Es sind „nur“ gut 14 Zentimeter bis zum Ausgang, deine Hebi ist absolut kompetent, der Kleine hilft auch mit und der Gatte macht das ja auch nicht zum ersten mal! Easy going also.

Doch dann klopft mein Herz ganz wild. Was ist, wenn ich doch Angst bekomme? Was ist, wenn ich mich nicht gut bewegen kann (ist ja jetzt schon schwer möglich), was ist wenn ich das Vertrauen verliere? Wenn er mitten am Tag raus will, alle Kids im Haus und wach sind? Kann ich da entspannt vor mich hinatmen? Was passiert, wenn ich doch ins Krankenhaus muss, man kann zwar vieles tun um eine möglichst entspannte Atmosphäre zu schaffen, aber hey, es kann auch IMMER mal was schief gehen! Sone Geburt bleibt eine Wundertüte. Plötzlich erscheint so ein geplanter Kaiserschnitt gegenüber der Hausgeburt äußerst attraktiv! Huch, was ist denn jetzt los in meinem Kopf.

 

 

Und überhaupt, was haben wir uns eigentlich gedacht? Kriegen wir das wirklich hin? Unser Leben ist weit weit weg von strukturiert oder organisiert. Ich geb mir die größte Mühe 🤷‍♀️. Und da fällt mir dann auch gleich noch die Schlussspurt todo Liste ein 🤦‍♀️. Babykommode neu streichen und einräumen, Zimmer vom großen Mädel fertig stellen, Schule und Einschulung vorbereiten, und son Kurs für fancy Bilder mit dem Handy machen, steht da auch noch drauf. Und das mit dem Hypnobirthing, klang irgendwie total cool, ob es da gute Videos gibt, weil nen Kurs schaffe ich nicht mehr, oder? Steuerkram 2018 ist auch noch offen und überhaupt, wie machen wir das dann mit Elternzeit/Elterngeld/Arbeit und 6 Personenhaushalt 😳😳😳. Einen Plan haben wir nicht, wie überraschend *ironieoff*!

 

Doch nicht bereit?

 

Das Herz puckert noch schneller, die Tränen kullern noch mehr und ein Häufchen Elend sitzt hin und her wiegend auf der Couch. Ich bin ja mal sowas von NICHT bereit 😞.

Und da klopft der Untermieter wieder an 🥰. Spielt sich ungeniert in den Vordergrund und alles in mir beruhigt sich etwas. Das mit dem bereit sein ist offensichtlich sone Sache. Für Kopfmenschen wie mich, erst recht. Also einmal einen realistischen Blick auf das Ganze werfen: falls das Zimmer vom Mädel nicht fertig ist, wird das den Krümel wenig stören 🤣. Auch seine Sachen werden irgendwie Platz finden und überhaupt wird all das für ihn keine Bedeutung haben. Warum sollte ich ich ausgerechnet jetzt nochmal neu üben, wie das mit dem Atmen geht? Und wenn irgendwas komisch laufen sollte, habe ich tiefstes Vertrauen in meine Hebamme, die geht kein Risiko ein und eine Geburt im Krankenhaus muss auch nicht immer schlimm ausfallen!!

 

 

Hier sind also 5 Leute, die mehr oder weniger gut wissen, was auf sie zukommt, mehr oder weniger bereit. Aber wir sind da, mit offenen Armen und Herzen.  Und irgendwie kriegen wir das schon hin. Eine Wahl haben wir ja eh nicht, also tief atmen, vertrauen, Augen zu und durch 💪🏼💪🏼💪🏼.