Vorweg, ich bin immer noch sehr aufgewühlt, könnte also sein, dass dieser Beitrag ein paar Fehler (mehr) enthält, aber ich muss das jetzt einfach mal loswerden! Ich freue mich, wenn Du drüber hinweglesen kannst.

Gestern war mal wieder Routineuntersuchung beim Gynäkologen. Ich gehe ganz bewusst „nur“ noch wegen der Ultraschalluntersuchung hin, da mich diese Termine immer immens stressen. Warum? Na zum Einen muss ich mindestens 1 Stunde Wartezeit in Kauf nehmen, trotz Termin! Beim letzten Mal waren es 1,5 Stunden, dann noch die Untersuchung und die Standpauken, die ich mir anhören durfte und schwupps, konnte ich einen Kurs absagen, da das Zeitfenster zu kurz und ich es nicht mehr rechtzeitig zum Start geschafft hätte. Ich bin selbständig, ich MUSS arbeiten gehen, um Geld zu verdienen. Und die Selbstverständlichkeit, wie mit meiner Zeit dort umgegangen wird, macht mich rasend. Ach Schwangere haben doch Zeit!  Auch das Hochziehen der Augenbrauen, wenn ich das CTG ablehne, bzw. von der Hebamme machen lassen möchte, piept mich an.

Selbst geschaffenes Leid

Natürlich könnte ich die Betreuung auch nur durch die Hebamme vornehmen lassen, ist dementsprechend auch irgendwie selbst geschaffenes Leid. Aber nach der Anfangsdiagnose, drohende Unterversorgung wegen zu schlechter Dopplerwerte, braucht mein Kopf dieses regelmäßige Update, anhand von messbaren Daten, um auch wirklich sicher zu sein, dass der Kleine sich gut entwickelt. Ha, was für ein Trugschluss.

Jedenfalls gestern wurde ich im Behandlungszimmer schon mit irritiertem Blick und den Worten: „das ist aber ein dicker Bauch“ begrüßt! HÄHHH… ich bin schwanger, im 8 Monat, darf man da keinen Bauch sehen??? Hinzu kam, dass ich durch das schon längere Sitzen auf recht harten Stühlen mit den ersten Schritten ein paar Probleme hatte und demnach etwas watschelte. Welche Schwangere kennt das nicht!? Gut, dachte ich, atmen, alles ist gut… aber nein, die Fachfrau schreibt auch genau dies „dicker Bauch“ in ihre Dokumentation. Mein Blick wandert immer wieder zu diesen Worten, ich bin irritiert. Was stimmt mit mir nicht?

Der ist aber groß!

Dann der Ultraschall, alles schick. Plazenta hervorragend, wie frisch angemalt, Fruchtwasser i.o. und dann wird nach der Größe und Versorgung geguckt. Und siehe da, der Dopplerwert hat sich immens verbessert. Meine Hebi hatte ja die Vermutung geäußert, dass eine eventuelle Mangelversorgung meines Körpers mit Vitaminen und Mikronährstoffen eine Ursache für den schlechten Dopplerwert sein könnte und nach einer umfassenden Blutanalyse mich entsprechend mit Nahrungsergänzungsmitteln ausgestattet. Die Liste meiner Mängel ist tatsächlich beeindruckend und ich bin immer noch erschrocken, dass weder mein Hausarzt, noch die Gynäkologin dieses Aspekt tatsächlich näher beleuchten wollten!

Jedenfalls, hey die Versorgung ist super und DANN na guck, das Kind ist aber ganz schön groß! WAAAAAAAAAAAAAAAS?? Nachdem monatelang das Horrorszenario Unterversorung und Frühgeburt aufgemalt wurde (zugegeben, vom Krankenhaus und NICHT von der behandelnden Ärztin), ist das Kind jetzt plötzlich zu groß??? Kurz wurde relativiert, naja, gibt ja auch Messfehler und muss nichts heißen, aber mal ehrlich, erst der dicke Bauch und jetzt ein für die SSW zu großes Kind. Da soll ich ruhig und gelassen bleiben?

Und ja, es ist medizinisches Fachpersonal, es ist die Aufgabe das Problem zu sehen. Wenn man einfach alles ignorieren würde, ignoriert man potenzielle Gefahren. Dennoch macht es mich kirre. Liegt es an der Sprache? An der gefühlten Bewertung „dick“? Der Gatte meint, im Nichtschwangerzustand hätte ich diese Aussage überhaupt nicht so arg an mich heran gelassen. Ja, vermutlich. Ich bin aber nunmal schwanger! Und dazu Risikoschwanger (wegen des Alters)! Und diese Sätze MACHEN was mit mir. Sie machen ein Kackgefühl, erzeugen Unmengen an Unsicherheit, lassen mich nicht schlafen.

Vertrauen

Ich weiß, in 1-2 Tagen bin ich wieder klar! Hab weiterhin Vertrauen in meinen Körper und den Bauchbewohner und in mein Gefühl. DAS sagt mir nämlich, dass alles in Ordnung ist! Und so ärgere ich mich vermutlich am Meisten darüber, dass ich mich überhaupt so aufrege und all das an mich heranlasse. Vermutlich steckt auch die Sorge dahinter, dass es Kontraindikationen gibt, die dann meine geplante Hausgeburt ausschließen. Ich weiß (und das ist verdammt gut so!), dass meine Hebamme KEIN Risiko eingeht. Nachdem ich aber diese wunderschöne Geburt beim Knöpfchen erleben durfte, will ich keinen Schritt zurück gehen und mich wieder dem Krankenhausgewusel aussetzen, was ja wiederum diesen Defizitansatz fährt und dazu auch noch viele anderer Faktoren eine entspannte und vor allem SELBSTBESTIMMTE Geburt verhindern könnten.

Was macht all dies aber mit Frauen, die zum 1. Mal ein Baby erwarten? Ist der Defizitansatz für eine Schwangerschaft vielleicht nicht so ganz der richtige Weg? Aufklärung ja, Achtsamkeit natürlich! Aber eine ordentlich Einordnung oder der zunächst positive Blick auf einen Befund, wäre doch auch ganz schön. Und dann wünsche ich mir noch, dass nicht jede Frau und jede Schwangerschaft in dieses Schema gepresst wird. Natürlich sind Normwerte richtig und wichtig, sie geben Orientierung. Und ja, ich in älter und ja, es gibt Risiken. Aber kann es nicht auch sein, dass außerhalb dieser Norm trotzdem alles gut ist? Darf es denn überhaupt gut sein? Wie wäre es denn, wenn man eine Gesamtbetrachtung vornimmt und erst DANN ein Urteil fällt?

Ich übe mich jetzt weiter im aaaaaaaaaaatmen, im vertrauen und schiebe entspannt meine DICKE Kugel vor mir her. Wird nämlich definitiv das letzte mal sein, dass ich so ein Wunder erlebe und das will ich die letzten Woche dann doch noch ein bissl genießen!