Vorweg, es geht mir nicht darum, nach Komplimenten zu fischen!! Dies ist meine ganz eigene Wahrnehmung und vielleicht findet sich ja der Eine oder Andere ein bissl darin wieder :-). 

Vermutlich hat jeder, der sich (so wie ich) auf Instagram tummelt, den Hashtag Dickbauchdienstag schon einmal gelesen und die wunderschönen Bäuche bewundert. Bei mir löst dieses Wort unweigerlich Unbehagen aus. Meine erste Assoziation mit Dickbauch ist ein kleines Hängebauchschwein. Und ganz ehrlich, damit möchte ich mich nicht vergleichen. Bitte nicht falsch verstehen, die Verwendung des # Hashtags soll sicherlich in erster Linie die Schönheit einer Schwangerschaft verdeutlichen. Ich hab nur mit dem Wort so meine Probleme.

Als ich zum 1. mal schwanger war, konnte ich es kaum erwarten, dass man endlich ETWAS sieht. Stolz präsentierte ich die Minikugel, beim Sohnemann ließ ich wunderschöne Bilder machen. Auch heute noch bin ich fasziniert, wie sehr sich mein Körper veränderte. Beim Knöpfchen kann ich mich ehrlich gesagt gar nicht erinnern (Schande über mich), zu sehr war ich mit Studium, Vollzeitjob und dem alltäglichen Familienwahnsinn beschäftigt.

Foto by Nancy Glor

Jetzt beobachte ich jede Veränderung meines Körpers mit Argusaugen. Als erstes fiel mir auf, kurz nach dem positiven Test, wie weich mein Körper plötzlich wurde. Ich hatte das Gefühl, alles an Muskulatur war plötzlich verschwunden und es schwabbelte überall an mir herum. Seit über 5 Jahren mache ich regelmäßig Sport, bis zu 8 Stunden wöchentlich, aber mein Körper schien das irgendwie vergessen zu haben und freuen konnte ich mich darüber ganz und gar nicht. Dann nach 6 Wochen der nächste Schock: der Hosenknopf ging nicht mehr zu, der Trick mit dem Zopfgummi hielt nur bedingt. Prima, nach 3mal weiß der Körper ja schon so richtig gut, wie das funktioniert und macht PLOPP. 2 Wochen ignorierte ich das „Problem“, um mich dann voller Zuversicht für einen Neuhosenkauf in eine Einkaufshölle zu begeben , eine Schwangerschaftshose versteht sich.

Skinnyjeans in der Schwangerschaft

Aber mal ehrlich, nicht nur, dass Größe 34/36 wohl die vermeintlich anzustrebende „Normalgröße“ ist, müssen auch Schwangere in Skinnyjeans passen??? Holla, ich bekam die Größe 42 nicht mal über meine Wade, meine WADE!! Geschweige denn über meine Oberschenkel oder den Poppes, die sicherlich nicht klein aber auch keine übergroßen Exemplare darstellen, tatsächlich sogar muskuläre Züge erkennen lassen (Hah, die Muskeln sind nämlich noch da, hatten sich nur irgendwie kurz versteckt).  Nähhh… Hosenkauf, der Frust schlechthin, schon immer. Und Größe 44 weigerte ich mich, überhaupt anzuprobieren. Mhh… da hinkt der Vergleich mit dem Hängebauchschwein dann doch nicht?? Bin ich so unnormal, bin ich zu dick?

Mein Verhältnis zu meinem Körper und dem Gewicht ist schon länger nicht ganz so harmonisch. Nach einer, sehr lange unerkannt gebliebenen, Schilddrüsenunterfunktion hatte ich über 15 Kilo zugenommen, bei 1,62 m wog ich knapp 80 Kilogramm. Ich sah nicht mehr aus wie ich, die Gelenke schmerzten und von Wohlfühlen im eigenen Körper konnte keine Rede mehr sein. Selbstliebe hin oder her. Und nein, ich behaupte nicht, dass es Kleidergröße 36 braucht, um glücklich zu sein. Das muss jeder für sich selbst entscheiden, ich sage nur: MIR ging es nicht gut damit. Nachdem die Medikamente endlich richtig eingestellt waren, purzelten auch wieder die Pfunde. Dennoch habe ich seit dem mein Gewicht ständig im Blick, ist der tägliche Gang auf die Waage, Routine.

Wer keine genauen Kenntnisse zum Thema Schilddrüse hat, unter anderem beeinflusst sie den Stoffwechsel ganz arg. Die heute noch übliche und gängige Aussage, es braucht nur das Kaloriendefizit, um langfristig Gewicht zu reduzieren, greift in diesem Fall dann auch zu kurz. Und macht mich nebenbei gesagt auch echt wütend. Keine Ahnung wie viele (vorrangig Frauen) Kalorien bis zum Umfallen zählen und dennoch frustriert sind, dass es nicht klappt! Wenn die Schilddrüse nicht richtig funktioniert, kann es nämlich gut sein (wie bei mir), dass trotz geringer Kalorienzufuhr eine stetige Gewichtszunahme erfolgt. Einfach weil der Körper die zugefügte Nahrung nicht „richtig“ verstoffwechselt. Das ist ein sehr umfangreiches anderes Thema und würde hier zu weit gehen. Auch verfüge ich nur über rudimentäres, angelesenes Leihenwissen. Fakt ist für mich, auch aus eigener Erfahrung, Gewicht reduzieren und halten ist eben nicht ganz so einfach!

kein Intervallfasten in der Schwangerschaft

Nachdem ich vieles ausprobierte (komplett zuckerfrei z.B.) landete ich vor einiger Zeit beim Intervallfasten. Die 16/8 Methode war gut mit meinem Alltag vereinbar, da ich mich schon immer zum frühstücken überwinden musste und früh morgens außer Kaffee nicht wirklich was runter bekomme. So ließ ich das Frühstück ausfallen und aß nur von ca. 13 bis 20/21 Uhr. Aus meiner Zuckerfrei-Zeit behielt ich dennoch ein paar Sachen bei, wie wenig Milchprodukte, kaum Brot/Katrtoffeln/ Reis usw.. Auch bei Nudeln griff ich eher auf eine Variante aus Linsen oder Spinat zurück. So konnte ich das Gewicht ganz gut halten, das Thema Essen war nicht dauerhaft präsent und versagen musste ich mir auch nix. Denn feste Regeln, was man essen darf, gibt es bei dieser Methode grundsätzlich nicht.

Und dann kam HORST. Und Horst (Arbeitstitel des Babys ;-)) machte mir die ersten Wochen durch unterschwellige Übelkeit echt zu schaffen. Das 16stündige Fasten fand er irgendwie auch uncool. Mein Kopf wollte aber von dieser sehr lieb gewonnen Methode nicht abweichen. Ich vergaß nicht selten morgens etwas zu essen, und bekam dann prompt die Quittung in Form eines regelrechten Zusammenbruches meines Körpers, totalem Ekel vor dem Essen gepaart mit völliger Erschöpfung. Nachdem mein Tochterkind sich dies ein paar mal mit anschauen musste, installierte sie mir Wecker auf meinem Handy, Nun werde ich regelmäßig daran erinnert, zu Essen und die Familie hat riesigen Spaß daran zu verkünden: „Horst hat Hunger, du musst was essen!“, wenn es piept.

Erschreckend hinzu kam, dass Horst die ersten Wochen am liebsten Nudeln verlangte (natürlich die Schönen aus Weizen), gern schon zum Frühstück! Und schwupps waren 3 Kilo mehr auf der Waage, die knapp sitzende Hose das Ergebnis. Selbst schuld! Ich war jedoch noch so sehr damit beschäftigt, diese neue Situation überhaupt irgendwie zu verarbeiten und anzunehmen, dass mir gar nicht bewusst war, was ich da so in mich rein schaufelte. Und hey, sone Schwangerschaft ist doch auch eine gute Ausrede, Horst war Schuld. Nachdem es „pling“ in meinem Kopf machte, stellte ich jedoch meine Ernährung sofort wieder um, denn es ist immer noch meine Verantwortung, was ich meinem Körper zuführe, auch wenn es so schön praktisch war, diese abzugeben :-).

Na der ist aber ordentlich gewachsen!

Die 3 Kilo waren aber nun mal schon da und auch der Bauch deutlich sichtbar. Sätze wie: „ach, da kann man ja schon richtig was sehen!“ oder „na der ist aber ordentlich gewachsen“, höre ich nun fast täglich. So salopp dahin gesagt, von keinem böse gemeint, treffen sie mich aber tief ins Mark. Dickbauch halt! Natürlich ist das MEIN Problem und zudem wurde mir schlagartig bewusst, wie oft ich selbst Sätze derart äußerte. Ob es den Mamas dann ähnlich geht wie mir? Was der Körper während einer Schwangerschaft leistet, ist ein Wunder, keine Frage, aber dennoch nicht für jeden und eben auch nicht immer so leicht anzunehmen. In der heutigen Zeit ist das Äußere wichtiger denn je, musst du als Frau Karriere machen, ambitionierte Hausfrau sein und natürlich auch als Schwangere immer eine perfekte Figur abgeben. Stars und Sternchen (und nicht zuletzt die Medien) befeuern dieses Bild ja auch zu gern. Und jaaa, natürlich bin ich eine selbstbewusste, reflektierte Frau und sollte dadrüber stehen. Mimimi, tu ich aber nicht, kann ich aber nicht. Jedenfalls nicht immer. Kann ich die Schuld vielleicht auf die Hormone schieben?? (hihi)

Es steckt auch Angst dahinter, zu viel zuzunehmen, wieder so starke Schmerzen zu haben, aufgrund dessen nicht schlafen zu können. Alles Erfahrungen, die ich bereits sammelte. Als ich das Gespräch diesbezüglich mit meiner Ärztin führte, zeigte diese sehr viel Verständnis, sagte aber auch, dass man nicht immer so gut beeinflussen kann, wie viel eine Schwangerschaft an mehr auf die Waage bringt, auch durch disziplinierte Ernährung und Sport nicht. Das zu hören erleichterte mich ungemein, und langsam, ganz langsam fange ich an, meine Murmel zu mögen.

Warum willst du denn den Bauch verstecken??

Als ich dann am letzten Wochenende Klamotten für den 90. Geburtstag meiner Oma suchte, und meinen Mann bei einem Outfit fragte, ob denn der Bauch arg zu sehen sei, guckte mich das große Tochterkind völlig entsetzt an: „aber warum willst Du denn den Bauch verstecken?“ Rumms, das saß…  ich musste arg schlucken, ja warum eigentlich und NEIN, das muss ich nicht. Diese Kugel gehört nun zu mir und wenn meine Familie sie liebt, dann kann ich das auch. Nur der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass weder meine Kinder, noch mein Mann mir jemals ein unschönes Gefühl diesbezüglich vermittelten, im Gegenteil, auch mein Mann liebte und liebt die Murmeln sehr und gab mir immer das Gefühl, in der Schwangerschaft besonders attraktiv zu sein. Und das Knöpfchen guckt jeden Tag nach, ob der Bauch denn nun endlich rund genug ist, zum anmalen. Seit sie in einem Fotoalbum ein Bild sah, wie ihre beiden Geschwister meinen Bauch bemalten, will sie das unbedingt auch. Daher wartet sie sehnsüchtig darauf, dass der Bauch endlich ein Dickbauch wird :-).

Der tägliche Gang zur Waage ist geblieben, ich übe mich in Disziplin und bewege mich auch weiterhin viel, aber alles ohne großen Zwang. Einfach weil es mir gut tut, mir ein besseres Gefühl gibt. Heißhungerattacken habe ich Gott sei Dank kaum, nur bei Kuchen werde ich regelmäßig schwach. Und das gönne ich mir dann auch, gern mit etwas Obst dazu für das schlechte Gewissen, aber immer mit Genuss.

Vielleicht kann ich mich ja dann auch noch mit dem #dickbauchdienstag anfreunden.

Herzliche Grüße

Eure Anja